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Plön-Krimi
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Aus: "Tochter des Verlegers", Plön-Krimi von Anja Rüstmann, ISBN 3-928905-42-2, verlag71, Plön

 Februar 1814

Der Regen peitscht Johann ins Gesicht. Seine schwarze Kluft hängt völlig durchnässt an seinem Körper. Johann zittert. Aber nicht, weil es kalt ist.

"Schneller, du musst schneller rennen!"

Johann umklammert seinen ledernen Beutel noch etwas fester. Und er läuft weiter. Am Seeufer entlang. Den Hohen Berg hinauf.

"Wohin jetzt?"

Links geht der Feldweg ab zum Hasselkrug. Dort, wo die Plöner Bürger ihre Koppeln haben. Geradeaus führt die Straße zur Fegetasche. Johann rennt in den Feldweg hinein. Hinter ihm klingt das Läuten der Kirchenglocken wie Schreie. Nach Hilfe. Eine Stadt schreit ihre Angst heraus. Er wagt einen Blick über die Schulter. Plön ist hell erleuchtet, und das um Mitternacht. Die roten Flammen tauchen die Silhouette der Stadt in ein zuckendes Licht. Hier vom Hasselkrug sieht es aus, als ob alles brennt zwischen Kirche und Schloss. Links liegt jetzt der Schöhsee, das Wasser ist spiegelglatt. Wie eine andere friedlichere Welt. Eine Koppel reicht bis ans Seeufer. Johann schlittert den matschigen Boden entlang und kommt an der Ulme zum Stehen. Er atmet tief durch.

"Hat mich jemand verfolgt?"

Nichts zu sehen - bis auf den Flammenschein aus der Stadt. Johann wirft seinen Lederbeutel in den Matsch und fängt an zu graben.Schon nach kurzer Zeit hat er sich die Finger blutig geschürft. Ein kleiner Feldstein muss herhalten als Schaufel. Das Loch wird tiefer. Und es wird immer anstrengender zu graben. Der Regen hat zwar den Boden aufgeweicht, ihn aber auch zäh wie Lehm werden lassen.

"Durchhalten!"

Seine Finger sind blutig verschmiert. Die Nägel fast alle abgebrochen. Mit einem dumpfen "Poch, poch" haut Johann den Stein in die Grube und löst den matschigen Sand. Mit den Händen holt er ihn heraus. Eine gute Armeslänge ist die Grube jetzt tief. Da hört er Stimmen.

"Hier entlang, ich kann die Spuren des verflixten Hurensohns genau erkennen! Er ist auf den Koppeln. den haben wir gleich!"

Oh Gott, sie sind ihm auf den Fersen. was nun? Johann wirft den Lederbeutel in die Grube. Und scharrt mit den Füßen den Sand darauf. Beim Festtreten kommt er wieder ins Rutschen. Und er stürzt ein paar Meter Richtung Seeufer. Wie ein Dolchstoß zuckt ein Schmerz durch den Knöchel seines rechten Fußes. Und sie haben ihn gesehen!

"Absitzen! da ist er!"

Fünf mann stürzen die Koppel herunter. Johann hat keine Chance wegzulaufen. Er kann seinen Fuß nicht bewegen. Alles tut ihm weh. Er liegt zusammengekrümmt auf dem Boden. Die Männer haben keine Eile. Johann sitzt in der Falle. Gemächlich kommen sie zum See, in ihren Augen spiegelt sich blanker Hass. Johann dreht sich um. Er kann ihnen nicht ins Gesicht sehen. Nicht diesen Männern. Allein bei dem Gedanken ... Ihm wird übel. Als ihn ein Fuß in die Nieren trifft, übergibt er sich.

Es hagelt weitere Fußtritte. So rollt Johann immer weiter zum Ufer. Bis ihm schwarz vor Augen wird.

"Es ist vorbei. Gott sei Dank."

Das Blitzen der Axt sieht er nicht mehr. Auch das höhnische Gelächter der fünf Männer kann er nicht mehr hören. Nie mehr. Es vermischt sich mit dem Läuten der Kirchenglocken. Plön schreit immer noch um Hilfe. das Rathaus brennt lichterloh!

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Anja Rüstmann

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